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Pandemie



Anzahl Spieler

Für 2 bis 4 Spieler
ab 12 Jahre


Spieldauer

Ca. 45 bis 60 Minuten


Bewertung (max. 10)

8 Punkte (HOlg)

Weitere Bewertungen

8 Punkte (Thomas Fischer)


Verlag

Pegasus
Pegasus


Autor

Matt Leacock


Bild



Sonstiges:

Das Spiel Pandemie ist zwar keine Neuheit mehr, thematisch aber nach wie vor aktuell. In Zeiten von Vogelgrippe, Schweinepest und Schweinegrippe ist das Thema des Spiels weit davon entfernt "veraltet" zu sein. Im Spiel ist zwar nicht bekannt, welche Seuchen die Menschheit bedrohen, nur dass sie tödlich sind und zur Vernichtung der Menschheit führen sofern keine Gegenmittel gefunden werden. Dargestellt werden sie durch blaue, gelbe, rote und schwarze Holzwürfel, die in betroffene Städte gelegt werden. Kein Wunder, dass ein spezielles Forschungslabor (in Atlanta) eingerichtet und ein Spezialistenteam - die bis zu vier Mitspieler - mit der Aufgabe beauftragt wurden effektive Gegenmittel zu finden. Der Charakter des Spiels ist schon zu erkennen, die Spieler treten nicht gegeneinander an sondern versuchen gemeinschaftlich und durch effektive Kooperation den drohenden Untergang abzuwenden und gewinnen oder verlieren gemeinschaftlich.

Anfangs wirkt alles noch überschaubar und nicht unbedingt bedrohlich. In neun von insgesamt 48 repräsentativ auf dem Spielplan dargestellten Städten unseres Planeten sind Seuchen ausgebrochen, doch die Infektionsrate ist gering und eine unkontrollierte Ausbreitung erscheint noch sehr theoretisch und abstrakt. Und so machen sich die Spieler zunächst noch recht entspannt mit ihrem durch eine Rollenkarte definierten Spezialgebiet in diesem Spiel vertraut. Jeder kann zwar grundsätzlich jede Aufgabe erfüllen, aber Spezialisten wären keine Spezialisten, könnten sie es nicht ein wenig besser als alle anderen.
Ist ein Logistiker im Team hat man ein Organisationstalent an Bord, das mit seinen Fähigkeiten dafür sorgen soll, dass in Notfällen immer der richtige Experte zur richtigen Zeit am richtigen Ort und verfügbar ist. Seine Fähigkeiten sind im Spiel durch die Möglichkeit während seines Spielzuges gewisse Aktionen mit den Spielfiguren der Mitspieler durchführen zu können umgesetzt und oft sehr hilfreich. Ein Betriebsexperte ist bei der Errichtung weiterer Forschungslabore am effektivsten, ein Arzt bei der unmittelbaren Bekämpfung einer Seuche, ein Forscher bei der Vermittlung von Wissen und Kenntnissen über die einzelnen Seuchen und ein Wissenschaftler bei der Herstellung von Gegenmitteln.

So nützlich jeder einzelne dieser Spezialisten auch sein mag, im Team sind immer höchstens vier, jeder durch einen der zwei bis vier Mitspieler repräsentiert, und so ist die Ausgangssituation nicht nur durch das zufällige Auftreten der ersten Krankheitsherde sehr oft eine andere. Dazu kommen noch die immer anderen vier Spielerkarten, die jeder Mitspieler anfangs auf die Hand bekommt. Mit diesen Karten lässt sich so einiges anstellen, allerdings kann jede Karte immer nur für einen Zweck genutzt werden. Jede Karte hat eine Farbe die einer der vier Seuchen entspricht und ist damit für die Entwicklung eines Gegenmittels für genau diese Seuche interessant. Ein Gegenmittel ist nämlich dann gefunden, wenn einer der Spieler fünf Karten in der Farbe einer der Seuchen gesammelt hat und diese bei einem Forschungslabor abgibt. Andererseits trägt jede dieser Karten einen Stadtnamen und kann daher für Reisen zu (Direktflug) oder von (Charterflug) diesen Städten genutzt werden und schnelles Reisen ist ein nicht unerheblicher Faktor.
Auch Reisen zwischen den Laboren (Zubringerflüge) sind schnell, effektiv und ohne das Ausspielen von Karten möglich. Doch müssen neben dem Startlabor in Atlanta weitere Labore erst eingerichtet werden um diese Reisemöglichkeit nutzen zu können. Die Möglichkeit mit dem Auto oder der Fähre in eine benachbarte Stadt zu reisen ist ebenfalls ohne Karteneinsatz möglich und runden die Bewegungsalternativen und damit die als "einfache Aktionen" bezeichneten Möglichkeiten eines Spielers ab. Der Vollständigkeit halber sei noch das Passen erwähnt, eine Möglichkeit die eher die Ausnahme ist und nur eines "höheren Zieles", der Gesamtstrategie wegen, gewählt werden dürfte.
Diese sog. "einfachen Aktionen" sind es auch, die ein Logistiker während seines Zuges die anderen Spielfiguren ausführen lassen kann.

Der Begriff "einfache Aktionen" lässt es schon vermuten, es gibt auch "besondere Aktionen". Diese sind zum einen die Errichtung eines neuen Labors. Spielt man eine Karte mit dem aktuellen eigenen Aufenthaltsort aus, errichtet man dort ein Labor und platziert ein entsprechendes Holzgebäude. Der Betriebsexperte als Spezialist auf diesem Gebiet muss für diese Aktion keine Karte abgeben.
Das Entdecken eines Gegenmittels durch Abgabe von fünf farblich passenden Spielerkarten bei einem Forschungslabor ist eine weitere "besondere Aktion", die ein Wissenschaftler besonders "gut" durchführen kann, denn dieser benötigt statt fünf nur vier farblich passende Karten.
Um Zeit zu gewinnen kann es hilfreich und erforderlich sein, in der einen oder anderen Stadt eine akut gewordene Seuche (drei Seuchenwürfel) unmittelbar und auch ohne ein Gegenmittel zu behandeln. Grundsätzlich wird durch solch eine Behandlung am betreffenden Ort nur ein Seuchenwürfel entfernt, aber selbst das kann schon Schlimmeres verhindern. Ärzte haben hier einen klaren Vorteil, sie können bei einer Behandlung alle Seuchenwürfel an diesem Ort entfernen. Erst mit der Entwicklung eines passenden Gegenmittels sind auch diejenigen die keine Ärzte sind in der Lage alle Seuchenwürfel mit einer Behandlung an einem Ort zu eliminieren.
Die letzte "besondere Aktion" ist das Teilen von Wissen. Nicht immer bekommt man die passenden Karten und damit das für ein Gegenmittel erforderliche Wissen so auf die Hand, wie man sich das wünscht. Warum nicht also vom Wissen/Karten profitieren, das einer der Kollegen erworben hat? Trifft man sich an einem Ort darf Wissen geteilt werden, was bedeutet, dass der aktive Spieler entweder eine Karte übergeben oder eine Karte bekommen kann. Voraussetzung ist, dass diese übergebene Karte den Namen des aktuellen Aufenthaltsortes zeigt. Das erfordert schon eine gewisse Vorausplanung, zumindest wenn man nicht Forscher ist, denn dieser darf am Treffpunkt eine beliebige Karte übergeben.

Ist eine Spieler an der Reihe, kann er insgesamt vier Aktionspunkte auf die eben genannten einfachen und besonderen Aktionen beliebig verteilen und diese Nutzen. Anschließend werden zwei Spielerkarten gezogen und, falls die Handkartenzahl dadurch über sieben gestiegen ist, überzählige Karten abgeworfen. Unter diesen Spielerkarten befinden sich allerdings neben den ganz normalen Karten auch Ereigniskarten, die bei Bedarf und jederzeit ausgespielt und damit genutzt werden dürfen, und Epidemiekarten. Je nach Anfangs gewählten Schwierigkeitsgrad befinden sich im Spielerkartenstapel vier, fünf oder sechs dieser Karten und sie verheißen nichts Gutes.
Wird eine solche Karte gezogen, weitet sich die Infektion aus, der Marker auf der Infektionsleiste wird um ein Feld weitergezogen. Was es mit dieser Infektionsrate auf sich hat, wird deutlich, wenn ein Spieler nach seinem Zug "den Ãœberträger spielen" muss, also so viele Karten vom Infektionskartenstapel ziehen muss, wie die Zahl unterhalb des Markers auf der Infektionsleiste vorgibt. Diese Infektionskarten bezeichnen immer eine Seuche und eine Stadt, in die ein entsprechender Seuchenwürfel gelegt werden muss. Je weiter also der Infektionsmarker auf der Leiste vorangekommen ist, desto mehr Karten müssen gezogen werden und desto mehr neue Seuchenwürfel kommen ins Spiel.

Doch damit nicht genug, eine Epidemiekarte hat noch weiter unschöne Auswirkungen. Zunächst wird die unterste Karte des Infektionsstapels gezogen und zu der genannten Stadt drei Seuchenwürfel der entsprechenden Farbe gelegt. Anschließend "verschärft" sich die Infektion, d.h. alle Infektionskarten des Ablagestapels werden gemischt und auf (!) den Nachziehstapel gelegt. Das hat den unangenehmen Effekt, dass alle Karten die bereits schon einmal gezogen und für Seuchenwürfel gesorgt haben sehr, sehr bald wieder gezogen werden.
Wer sich jetzt fragt, was daran so schlimm sein soll, so sei doch sichergestellt, dass die Seuchen nicht auch noch andere Städte befallen, dem sei gesagt, dass genau das trotzdem passieren kann und früher oder später auch wird.

Müsste auf eine Stadt durch Epidemie oder Ãœbertragung ein vierter Seuchenwürfel derselben Farbe gelegt werden, kommt es zu einem Ausbruch. Zum einen wird der Ausbruchsmarker auf seiner Leiste ein Feld weitergezogen und ein achter Ausbruch beendet das Spiel mit zwei bis vier Verlieren. Als wäre das nicht schon schlimm genug, führt ein Ausbruch auch immer dazu, dass der vierte Seuchenwürfel in der betreffenden Stadt zwar nicht gelegt werden muss, dafür aber in jeder benachbarten, heißt durch einen Weg verbundenen, Stadt.
Richtig übel wird das Ganze, wenn in einer (oder mehreren) dieser Nachbarstädte dann auch bereits drei Seuchenwürfel dieser Farbe liegen, denn dann kommt es auch dort zu einem Ausbruch. Im schlimmsten Fall kann eine richtige Kettenreaktion in Gang gesetzt werden und eine überschaubare Anzahl an Krankheitsherden wird urplötzlich zu einem schier unlösbaren Problem.

Die einzige Möglichkeit zu gewinnen besteht darin, alle vier Gegenmittel zu entdecken, bevor es zu einem achten Ausbruch kommt, der Spielerkartenstapel aufgebraucht ist oder in einer Seuchenfarbe nicht mehr alle erforderlichen Würfel eingesetzt werden müssen.

Kooperative Spiele erfreuen sich ja immer größerer Beliebtheit und sind in letzter Zeit auch immer "besser" geworden. Pandemie ist da keine Ausnahme und so kann man festhalten, dass diejenigen, die kooperative Spiele mögen mit Sicherheit viel Spaß mit Pandemie haben werden, während die andere Fraktion auch weiterhin dieser Art Spiel nichts abgewinnen können wird.

Pandemie hat mir persönlich recht gut gefallen, weil die immer andere Ausgangslage und Zusammenstellung der Experten immer andere Herausforderungen an die Spieler stellt. Wiederspielreiz ist also gegeben, denn leicht ist Pandemie nicht zu gewinnen. Dabei fasziniert der Mechanismus des "verschärfens der Infektion" bei dem alle abgelegten Infektionskarten gemischt und oben auf den Nachziehstapel gelegt werden besonders. So einfach und so effektiv ist das Ganze. Werden Krisenherde mit drei Seuchenwürfeln nicht zeitnah entschärft, kommt es eher früher als später zu Ausbrüchen und damit zu einer immer wahrscheinlich werdenden Niederlage.
Wie bei allen kooperativen Spielen ist es wichtig, dass keiner das Spiel an sich reißt und neben seinen eigenen auch noch die Entscheidungen seiner Mitspieler treffen will. Denn so wird aus einem interessanten kooperativen Spiel ein Solitärspiel mit mehreren Personen, bei dem am Ende keiner wirklich Spaß haben dürfte.

Sollte Pandemie inzwischen tatsächlich für den einen oder anderen ausgereizt sein, so kann auch denen seit der letzten Messe geholfen werden. Mit der Erweiterung Auf Messers Schneide können nun fünf Spieler die Welt retten bzw. es versuchen, denn einfacher wird das Ganze nicht. Aber abwechslungsreicher! Sechs neue Rollen, acht Ereignisse und drei Spielvarianten sorgen für ganz neue Herausforderungen.
Ein virulenter Stamm bewirkt eine besonders tödliche Seuche, durch eine Mutation kommt eine weitere, fünfte Seuche ins Spiel und wer mag, der kann sich auch mit einem Bioterroristen herumschlagen, der eine im Labor geschaffene Seuche verbreitet. Kurzum, auch für eingefleischte "Pandemieler" dürfte das Spiel wieder ein ganzes Weilchen recht interessant werden.

Vielen Dank an Pegasus für das Rezensionsexemplar!


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