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Colonia



Anzahl Spieler

Für 3 bis 6 Spieler
ab 12 Jahre


Spieldauer

Ca. 90 bis 120 Minuten


Bewertung (max. 10)

6 Punkte (HOlg)



Verlag

Queen Games
Queen Games


Autor

Dirk Henn


Bild



Sonstiges:

Als Colonia wurden zu Zeiten des römischen Reichs Siedlungen außerhalb Roms bezeichnet, meist auf erobertem Gebiet, deren Bewohner aber (inzwischen) das Bürgerrecht erhalten hatten. Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Claudische Kolonie und Opferstätte der Agrippinensier), das heutige Köln, war eine solche Kolonie und genau in diese Stadt und dann noch ins Mittelalter versetzt uns die Queen Games Neuheit Colonia. Die Stadt wird unter anderem von etlichen Patrizierfamilien bewohnt, welche die Geschicke der Stadt lenken, und ist für ihre bedeutenden Kirchen und ihre Handelsmöglichkeiten bekannt. Als Oberhaupt einer solchen Patrizierfamilie versuchen die drei bis sechs Spieler ihren Einfluss, Ruhm und natürlich auch Reichtum nicht nur zu wahren sondern zu mehren.

Der Weg zu diesem Ziel führt, zumindest in dieser Zeit - über die Kirche, ist lang und manchmal auch riskant. Der Kirche verlangt es nach wertvollen Reliquien und diese zu beschaffen ist damit das oberste Ziel. Doch diese Reliquien kosten Geld in den unterschiedlichen Währungen und dieses muss zunächst einmal verdient werden. Das Startkapital von je fünf Pfund Sterling, Grivna, Mark und Gulden, ein paar Rohstoffe und eine Handelsware sind keinesfalls ausreichend und sichern bestenfalls einen Einstieg in den Kampf um die begehrten Reliquien.
Geld verdient man durch das Verschiffen von Waren. Vier Schiffe liegen immer im Hafen vor Anker und sorgen für die entsprechende Nachfrage an Sättel, Wagenräder, Gemälde, Kleidung und Schuhwerk. Bezahlt wird je nach Heimathafen eines Schiffes in der entsprechenden Währung doch jede Woche legen einige Schiffe ab und neue an so dass die Nachfrage ständig variiert und es nicht immer einfach ist, die "richtigen" Waren zur rechten Zeit im Lager zu haben.

Welche Waren man produziert obliegt der eigenen Entscheidung und will gut überlegt sein. Fünf Handwerksbetriebe für die einzelnen nachgefragten Waren haben sich in der Stadt niedergelassen und nehmen die Aufträge der Patrizierfamilien entgegen. Doch zum einen sind deren Produktionskapazitäten beschränkt und zum anderen müssen sie mit den benötigten Rohstoffen versorgt werden. Diese sind beim Wochenmarkt zu bekommen. Etliche Marktstände bieten Leder, Eisen, Holz, Leinen und Pelz in unterschiedlicher Kombination und Anzahl an und es gilt schnell zu sein. Wer zuerst kommt, der hat die größte Auswahl.
Um nun möglichst zeitig, d.h. vor den anderen sowohl auf dem Markt, als auch bei der Auftragsvergabe an die Handwerker und dem Verschiffen von Waren tätig werden zu können, ist es von Nöten einen möglichst großen Einfluss im Rathaus auszuüben. Diesen erhält man, in dem man möglichst viele seiner Familienmitglieder ins Rathaus entsendet doch das Dilemma ist, dass sie dann anderen Orts fehlen. Jede Patrizierfamilie verfügt nämlich über die gleiche Anzahl an Familienmitglieder und sie werden nicht nur im Rathaus sondern auch auf dem Markt, bei den Handwerkern, im Hafen und ggf. beim Reliquienkauf benötigt und einmal eingesetzt erhält man sie erst nach einer Runde zurück.

Es gilt also so einiges zu beachten. Was wird nachgefragt, wie viel davon kann produziert werden, welche Rohstoffe benötige ich dazu und wie verteile ich meine Familienmitglieder auf diese einzelnen Aufgaben, so dass ich möglichst effektiv vieles erledigen kann. Schließlich ist noch abzuschätzen, ob und wie sich das verdiente Geld ausgeben lässt. In jeder Runde liegen zunächst immer 10 Reliquien offen aus, auf denen ihr Preis, die Währung so wie der Bonus, den man damit bei der Kirche erhält (Siegpunkte), zu sehen sind. In jeder Währung gibt es insgesamt 11 Reliquien zu kaufen, sowie einen Schrein, mit dem man den Wert einer Reliquie verdoppeln kann. Werden nun angebotene Reliquien nicht gekauft bzw. durch Familienmitglieder für einen späteren Kauf reserviert, so werden sie beiseitegelegt und sind nicht mehr erwerbbar. Nichts wäre nun ärgerlicher, als beispielsweise etliche Mark aus Bergen anzuhäufen, wenn die meisten und wertvollsten Reliquien für die diese Währung benötigt wird entweder schon von der Konkurrenz aufgekauft oder gar nicht mehr im Angebot sind.

Über sechs Wochen (Runden) geht der Wettstreit um die Gunst der Kirche und an jedem Tag einer solchen Woche ist ein anderer Ort der Stadt Dreh- und Angelpunkte des Geschehens. Am Montag startet die Woche mit den Wochenvorbereitungen. Eine Wochenkarte wird aufgedeckt und gibt vor, welche Rohstoffe in welchem Umfang auf dem Markt angeboten werden, wie viele Aufträge die einzelnen Handwerker diese Woche entgegen nehmen, zu wie vielen Aufträgen sie sich möglicherweise noch zusätzlich überreden lassen und wie viele der vier im Hafen liegenden Schiffe am Ende der Woche definitiv auslaufen werden. Auch werden drei Ratserlasse aufgedeckt, über die zu Beginn des angegebenen Wochentages abgestimmt wird und mit denen man sich sein Leben ggf. etwas leichter machen kann. Da können weitere Händler Rohstoffe am Markt anbieten, Schiffe umgehend den Hafen verlassen und vieles mehr.

Der Dienstag spielt sich im Rathaus ab. Jeder Spieler setzt verdeckt eine seiner Familienkarten ein. Jeder hat einen identischen Kartensatz mit den Werten 3 bis 8, genügend um in jeder Woche genau eine davon einzusetzen. Die Ziffer der ausgespielten Karte legt fest, wie viele Familienmitglieder jeder ins Rathaus legt und die Anzahl der Familienmitglieder bestimmt zum einen, wie viele Stimmen ein Spieler bei den anstehenden Abstimmungen hat und an welcher Position sich sein Familienwappen befindet. Je mehr Familienmitglieder, desto mehr Stimmen bei Abstimmungen, an denen man mit seiner "Ja" oder "Nein" Abstimmkarte teilnimmt, und desto eher ist man an den folgenden Tagen an der Reihe.

Mittwochs gehen die Spieler auf den Rohstoffmarkt. Reihum wählen sie gemäß der Spielerreihenfolge so lange immer einen Stand aus, bis alle gepasst haben. Wer einen Stand wählt, nimmt sich die dort angebotenen Rohstoffe und legt entsprechend viele seiner Familienmitglieder auf diesen Stand. Spätestens jetzt ahnt man schon: Mit dem Familienmitgliedern muss man haushalten.

Der Donnerstag gehört den Handwerkern. Die Spieler erteilen diesen Aufträge in dem sie bei ihnen Familienmitglieder platzieren und die benötigten Rohstoffe abgeben. Für einen ersten Auftrag reicht ein Familienmitglied, hat ein Handwerker jedoch bereits Aufträge erhalten, so muss für jeden dieser bereits angenommenen Aufträge ein zusätzliches Familienmitglied eingesetzt werden. Der dritte Auftrag an einen Handwerker erfordert also ebenso viele Familienmitglieder.
Die auf der am Montag gezogenen Wochenkarte angegebenen Aufträge erledigen die Handwerker auf jeden Fall. Dazu kommen ggf. Aufträge, die gemäß einem Ratsbeschluss durchgeführt werden und evtl. weitere Aufträge, wenn entsprechend gewürfelt wird. Jedem Handwerker ist eine Würfelzahl zugeordnet und die Wochenkarte gibt vor, wie oft zu würfeln ist. Wird die Zahl eines Handwerkers gewürfelt, wird er in dieser Woche einen Auftrag mehr erfüllen. Bei einer gewürfelten sechs gilt das für alle Handwerker. Doch mit dieser Ungewissheit lässt sich schwer planen, die Familienmitglieder müssen ja zuvor die Aufträge an die Handwerker erteilen und so kann es kommen, dass ein Auftrag in dieser Runde nicht ausgeführt wird. Die entsprechenden Familienmitglieder bleiben dann einfach an Ort und Stelle, rücken am Ende an die erste Position und kommen höchstwahrscheinlich in der nächsten Woche zum Zug. Es ist also nichts verloren, die Produktion verzögert sich nur.
Für jeden durchgeführten Auftrag erhält der entsprechende Spieler schließlich die produzierte Ware.

Freitags werden die Schiffe beladen. Auch hier ist die Spielerreihenfolge wichtig und reihum liefern die Spieler immer die Waren für eine Nachfrage auf den Schiffen, geben die geforderten Waren ab und markieren das entsprechende Nachfragefeld auf dem Schiff mit einem ihrer Familiensteine. Geld gibt es dafür zunächst nicht, erst wenn am Samstag einige Schiffe auslaufen kommt es zu Bezahlungen für die erfüllten Warennachfragen auf diesen auslaufenden Schiffen. Die anderen müssen auf die kommende Woche warten.

Der Sonntag steht ganz im Zeichen der Kirche und so erwirbt oder reserviert man an diesem Tag für die Kirche Reliquien und Schreine, die in der jeweiligen Währung zu bezahlen sind. So endet eine Woche und alle an den einzelnen Orten der Stadt eingesetzten Familienmitglieder wandern in den entsprechenden Straßenbereich. Die Spieler erhalten sie erst dann zurück, wenn der entsprechende Tag der nächsten Woche zu Ende ist, also beispielsweise die Familienmitglieder auf der Straße vor dem Rathaus erst dann, wenn im Rathaus neue Familienmitglieder eingesetzt wurden usw.

Nach der sechsten Woche endet das Spiel. Diejenigen, die das meiste Geld in einer der Währungen besitzen, erhalten ein entsprechend farbiges Kirchenfenster, das zwei Siegpunkte wert ist. Wer nun insgesamt die meisten Siegpunkte (Kirchenfenster, Reliquien) gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

Eigentlich und auf den ersten Blick hat Colonia alles, was ich an einem Spiel schätze. Eine super Ausstattung (vielleicht mal von den etwas dünnen Geldscheinen abgesehen), ein optimal gestalteter Spielplan, der zusätzlich als roter Faden für einen Spielwochenablauf dient, ein ansprechendes Thema und viele Entscheidungsmöglichkeiten. Und trotzdem ist Colonia aus meiner Sicht nicht der Hammer den man vermuten könnte. Sehr zäh gestaltet sich das Spiel mit relativ wenigen Spannungsmomenten. Viele Schritte sind notwendig um die benötigten Siegpunkte zu erreichen. Erst benötigt man Rohstoffe, diese werden weiterverarbeitet zu Waren welche anschließend verschifft werden müssen um dann mit der entsprechenden Währung die siegpunktbringenden Reliquien kaufen zu können.
Dabei gestaltet sich das Ganze letztlich so, dass man unabhängig vom momentan Nachgefragten immer das produziert, was man gerade am besten produzieren (lassen) kann. Denn auch wenn diese Waren bzw. diese Währung möglicherweise in dieser Runde gerade nicht so gefragt ist, so sieht das in der nächsten Runde höchstwahrscheinlich schon wieder ganz anders aus. Schlimmstenfalls kann man noch auf die beiden Siegpunkte durch die vier Kirchenfenster spekulieren, falls man seine Währungen nicht mehr in Reliquien umsetzen kann und weniger begehrtes zu produzieren ist immer noch besser als nichts zu produzieren. Viel Aufwand muss betrieben werden um an die verschiedensten und letztlich spielentscheidenden Reliquien zu gelangen, die sich im Grund in nichts unterscheiden. Alle Reliquien sind am Ende gleich viel wert. Es ist also auch nicht notwendig, sich zu spezialisieren.

Zusammengefasst gestaltet sich Colonia letztendlich einfach etwas zu langatmig für meinen Geschmack. Lang an sich wäre für mich definitiv nicht das Problem, nur darf es sich nicht so anfühlen und das war bei mir so und so erging es auch den meisten meiner Mitspieler. Obwohl alle Mechanismen, Bestandteile und Spielmaterialien für sich betrachtet vielversprechend sind und teilweise auch schon erfolgreich in anderen Spielen verwendet wurden, ist das Spiel in diesem Fall nicht mehr als die Summe seiner Teile, eher weniger. Nicht schlecht, aber auch nicht das was man/ich erwartet habe.

Vielen Dank an Queen Games für das Rezensionsexemplar!


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