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Strasbourg - Die Zeit der Zünfte



Anzahl Spieler

Für 3 bis 5 Spieler
ab 12 Jahre


Spieldauer

Ca. 60 bis 90 Minuten


Bewertung (max. 10)

7 Punkte (HOlg)



Verlag

Pegasus
Pegasus


Autor

Stefan Feld


Bild



Sonstiges:

Im Strasbourg des 15. Jahrhunderts haben über weite Strecken die Zünfte das Sagen. Sie stellen zeitweise die Mehrheit des Stadtrates und so ist es für eine Handelsfamilie dieser Zeit nicht nur eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens in den Handwerkszünften unterzukommen sondern auch eine Möglichkeit das Familienprestige zu steigern. Insbesondere wenn man die eine oder andere Zunft im Rat vertreten und/oder das aufstrebende Familienunternehmen weiter ausdehnen kann.

Geld und Einfluss sind dabei von Nöten doch das Geld ist zumindest anfangs äußerst knapp und der Einfluss, den man ausüben kann um seine Interessen bei der einen oder anderen Zunft durchzusetzen, ist nur scheinbar im reichen Maße vorhanden. Viel zu schnell schwindet dieser beim Bestreben seine Familienmitglieder als Lehrlinge, Gesellen oder besser noch Meister in den Zünften zu etablieren und muss doch für alle fünf Runden des Spiels ausreichen.

Der Einfluss eines Spielers besteht aus einem Satz Karten. Die Werte der Karten reichen von 1 bis 6 und geben damit die Höhe des Einflusses an, der mit einer Karte ausgeübt wird. Alle Spieler haben einen identischen Kartensatz und legen diesen gemischt vor sich ab. Zu Beginn jeder Spielrunde, in der sog. Planungsphase, ziehen die Spieler eine Einflusskarte nach der anderen und überlegen nach jeder Karte, ob sie weitere ziehen möchten. Je mehr Karten man zieht, desto mehr Einfluss kann man in der laufenden Runde auf die Zünfte ausüben, aber desto weniger Einfluss steht einem in den kommenden Runden zur Verfügung.

Bei den Entscheidungen ob weitere Karten gezogen werden sollten gilt es also zu berücksichtigen, welche Zünfte in der aktuellen Runde beeinflusst werden können und ob diese den eigenen Plänen dienlich sind. Grundsätzlich lohnt es sich zwar immer eine Zunft erfolgreich zu beeinflussen aber bei manchen lohnt sich das eben mehr als bei anderen und das hängt in erster Linie von den Aufträgen ab, die jeder Spieler vor Spielbeginn gewählt hat. Fünf Aufträge erhält jeder Spieler, von denen jeder mindestens einen behalten und nach Möglichkeit erfüllt muss. Erfüllte Aufträge bringen am Ende die aufgedruckte Anzahl an Prestigepunkten während nicht erfüllte Aufträge mit drei Minuspunkten zu Buche schlagen.
Diese Aufträge erfordern es in vielen Fällen Familienmitglieder auf bestimmten Feldern des Spielplans im Stadtbereich unterzubringen. Manche erfordern es mehr Geld als die Konkurrenz zu besitzen und wieder andere setzen ein Familienmitglied im Rat voraus. Beispielsweise kann ein Auftrag fordern, dass drei diagonale Stadtfelder zu besetzen sind. Diese Felder gehören nun aber zu den Zünften und diese wollen beeinflusst werden um Familienmitglieder dort aufzunehmen und verlangen auch meist eine "Aufnahmegebühr". Welche Zünfte in welcher Runde des Spiels beeinflusst werden können ergibt sich durch fünf Rundentafeln, die zunächst verdeckt gemischt und anschließend offen auf den dafür vorgesehenen Bereich des Spielplans gelegt werden.
Sobald sich ein Spieler dazu entschieden hat keine weiteren Einflusskarten mehr zu ziehen müssen die gezogenen Karten in Stapel aufgeteilt werden. Je nachdem bei wie vielen Beeinflussungen man in einer Runde mitmischen möchte, so viele Stapel benötigt man auch. Die Karten werden also Minimum einen und Maximum so viele Stapel bilden wie Karten gezogen wurden.

In der darauf folgenden Aktionsphase beginnt man nun auf der jeweils aktuellen Rundentafel von oben nach unten die abgebildeten Aktionen durchzuführen. Alle Rundentafeln beginnen mit der Beeinflussung von Adel und Kirche. Reihum, beginnend mit dem Startspieler, wählen alle Spieler, die sich an dieser Beeinflussung beteiligen wollen, einen ihrer Einflusskartenstapel aus und decken ihn auf. Derjenige mit der höchsten Gesamtsumme an Einflusspunkten auf seinen Karten hat den Adel erfolgreich beeinflusst, der mit der zweithöchsten Gesamtsumme die Kirche. Die beiden erfolgreichen Spieler vertreten den Adel bzw. die Kirche im Rat und platzieren je eines ihrer Familienmitglieder auf dem entsprechenden Feld des Rates, der auf dem Spielplan als Wappen mit einzelnen Feldern für Adel, Kirche und Zünfte dargestellt ist.
Darüber hinaus genießen diese beiden Spieler das Privileg zu entscheiden, wo in der Stadt die am Ende jeder Runde die zu errichtenden Gebäude platziert werden. Je eine Kirche und ein Gebäude werden jede Runde im Stadtbereich des Spielplans platziert und die Entscheidung über den Ort ist schon vorteilhaft wenn man bedenkt, dass bei Spielende jedes Familienmitglied neben einer Kirche einen zusätzlichen Prestigepunkt einbringt und jedes Familienmitglied neben einem Gebäude Prestigepunkte in Höhe des Gebäudewertes. Kommt dann noch ein Auftrag dazu, der Familienmitgliedern an Gebäuden fordert, so ist die Beeinflussung des Adels äußerst interessant.

Nach Adel und Kirche werden im Wechsel Zünfte und Kaufleute in gleicher Weise beeinflusst. Bei den Zünften kommen die Spieler mit den drei höchsten "Geboten" an Einflusspunkten zum Zug. Derjenige mit dem meisten Einfluss darf zum einen diese Zunft im Rat vertreten und eines seiner Familienmitglieder auf dem entsprechenden Feld im Rat/Wappen platzieren, außerdem ein Warenplättchen der entsprechenden Zunft hinter seinen Sichtschirm nehmen und schließlich noch ein Familienmitglied auf ein Stadtfeld dieser Zunft platzieren, wenn die dort aufgedruckte Summe bezahlt werden kann.
Das zweithöchste Gebot hat, bis auf die Vertretung der Zunft im Rat, die gleichen Möglichkeiten und derjenige mit dem dritthöchsten Gebot muss sich zwischen einem Warenplättchen und einem Familienmitglied in einem Zunftgebäude entscheiden.
Wer sich mit Einflusskarten beteiligt aber nicht zum Zug kommt, der darf zumindest eine seiner eingesetzten Einflusskarten wieder unter seinen verdeckten Stapel legen während alle anderen eingesetzten Karten abgelegt werden müssen.

Werden die Kaufleute beeinflusst - in jeder Runde drei Mal - kommt nur der Spieler mit dem höchsten Gebot zum Zug und darf beliebig viele Waren zum auf dem Warenplättchen aufgedruckten Wert verkaufen. Derjenige, der die dritte und letzte Beeinflussung der Kaufleute für sich entscheiden kann, darf diese zusätzlich im Rat der Stadt vertreten und das entsprechende Wappenfeld besetzen.

Am Ende jeder Runde, in der sog. Ratsphase, gibt es dann Siegpunkte für die Mitgliedschaften im Rat. Jedes Familienmitglied im Rat bringt einen Prestigepunkt. Der Spieler mit den meisten Familienmitgliedern im Rat erhält zusätzlich noch ein Privileg-Plättchen. Dieses kann man bei den Beeinflussungen einsetzen, um die Entscheidung, ob man sich beteiligt, hinauszuzögern und erst mal abzuwarten, was die Konkurrenz macht.
Nach fünf Spielrunden endet das Spiel mit einer Schlusswertung, bei der jedes Familienmitglied im Stadtgebiet grundsätzlich einen Prestigepunkt einbringt. Weitere Prestigepunkte bringen Familienmitglieder neben Kirchen (je 1 Prestigepunkt pro Kirche) und Gebäuden (Gebäudewerte = Prestigepunkte). Jedes nicht verwendete Privileg-Plättchen bringt einen Prestigepunkt und die Aufträge der Spieler erhöhen bzw. vermindern bei Nichterfüllung das Prestige. Der Spieler, der für seine Familie das größte Ansehen erringen konnte gewinnt das Spiel.

Strasbourg gefällt, aber möglicherweise erst nach ein oder zwei Partien. Als Neuling hat man es bei der Auswahl der nicht selten spielentscheidenden Auftragskarten recht schwer und kann da auch mal ganz böse danebengreifen. Wie schwer oder leicht ein Auftrag zu erfüllen ist erschließt sich erst mit einiger Spielerfahrung und mit bis zu fünf Aufträgen hat man sich schnell mal übernommen.

Der Kartenmechanismus der die Einflussnahme der Spieler auf die Zünfte regelt ist sehr interessant und gelungen. Zu oft und gerne würde man noch eine Karte ziehen, doch sollte man nicht in der letzten Runde mangels Einflusskarten zum Zuschauen verdammt sein. Zuschauen ist bei Strasbourg an sich nämlich nicht angesagt. Bei den Einflussnahmen ist man nahezu immer gefordert - und sei es nur bei der Überlegung sich zu beteiligen oder nicht - und die Aktionen selbst sind rasch durchgeführt.

Durch die in jedem Spiel anders angeordneten Rundentafeln und der Tatsache, dass nicht jede Zunft auf jeder Tafel vorhanden ist, sowie durch die immer andere Auftragsverteilung ist auch für Abwechslung gesorgt. Keine Partie verläuft wie die andere, obwohl im Spiel die immer gleichen Aktionen durchgeführt werden. In Strasbourg steckt eindeutig mehr, als man möglicherweise zunächst vermutet.

Die relativ kurze Spieldauer und die im Grunde einfachen Regeln erleichtern das Kennenlernen des Spiel, das für ein erfolgreiches Abschneiden sowie das Erkennen des Potentials von Strasbourg sicherlich nötig ist. Man erkennt schon nach der ersten Partie - so man sie nicht gewonnen hat - woran es lag und bereitet gedanklich die Strategie für die nächste Runde vor, die sich wohl meist auch problemlos anschließen lässt.

Strasbourg ist in meinen Augen in jedem Fall eine Empfehlung. Komplex und taktisch genug für "Vielspieler" aber auch kurz und regeltechnisch einfach genug für "Gelegenheitsspieler". Ich finde es immer besonders interessant und erwähnenswert, wenn ein Spiel diese beiden Zielgruppen anspricht, die so oft unvereinbar erscheinen.

Vielen Dank an Pegasus für das Rezensionsexemplar!


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