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Ora et labora



Anzahl Spieler

Für 1 bis 4 Spieler
ab 10 Jahre


Spieldauer

Ca. 90 bis 180 Minuten


Bewertung (max. 10)

9 Punkte (HOlg)



Verlag

Lookout Games
Lookout Games


Autor

Uwe Rosenberg


Bild



Sonstiges:

Bete und Arbeite! Dieser Benediktinergrundsatz wird im Spiel Ora et labora von Lookout Games aufgegriffen und spielerisch umgesetzt. Die Spieler leiten jeweils ein mittelalterliches Kloster (damit ist das "ora" abgedeckt) und seine angrenzenden Ländereien mit je einem Prior und zwei Laienbrüdern und das ist sehr arbeitsintensiv (labora). Doch bereits vor dem eigentlichen Spiel ist zwar nicht Beten aber umso mehr Arbeiten angesagt. Viele, viele auszustanzende Marker und eine äußerst umfangreiche Spielregel, die ein Extrablatt für den Spielaufbau, eine Spielanleitung, die im Erzählstil ins Spiel einführt, eine ausführliche Spielanleitung, eine Spielübersicht und eine Gebäude- und Siedlungsübersicht umfasst, sind zunächst zu bewältigen, aber das ist man bei Rosenberg-Spiele ja inzwischen fast schon gewöhnt.

Ist die Einstiegshürde dann aber genommen, wird es deutlich leichter, denn so kompliziert wie man meinen könnte ist Ora et labora zumindest spieltechnisch gar nicht. Gezieltes strategisches Vorgehen ist dann schon wieder eine andere Sache und deutlich schwieriger. Insbesondere am Anfang tut man sich schwer, denn strategisches Vorgehen setzt eine gute Kenntnis der Gebäude und deren Funktionen voraus. Die erste Partie dient also in erster Linie dem Kennenlernen, aber das ist nicht weiter schlimm sondern durchaus reizvoll.

Ein Spieler am Zug führt genau eine Aktion durch und muss sich dabei entscheiden, ob er einen seiner Geistlichen in einem Klostergebäude arbeiten lassen, Holz fällen bzw. Torf stechen oder mit bereits erwirtschafteten Rohstoffen ein Gebäude errichten will. Zusätzlich können einmalig während eines Spielzuges stetig teurer werdende neue Ländereien erworben werden, sofern man das nötige Kleingeld bereits erwirtschaftet hat. Auch die Früchte in Nachbars Garten sind nicht unerreichbar, denn gegen eine geringe Gebühr kann man einen Prior oder Laienbruder des Nachbarn in einem der Nachbargebäude für einen selbst arbeiten lassen. Keine schlechte Sache, denn so bleiben Aktionsmöglichkeiten von Gebäuden die man nicht selbst bauen konnte nicht unerreichbar.
Auch hier gilt es die Übersicht zu behalten. Gebäude, die bereits durch einen Geistlichen besetzt sind, können in der Regel nicht genutzt werden und die Geistlichen eines Spielers werden erst dann wieder aus den Gebäuden entfernt, wenn sich alle drei Geistlichen dieses Spielers zu Beginn einer neuen Runde in Gebäuden aufhalten.

Anfangs ist das Klostergelände noch recht überschaubar und besteht für alle Spieler aus einer 2x5 Felder großen Landschaft mit Mooren, Wäldern, einem Bauernhof, einen Lehmhügel und einem ersten Klostergebäude. Spätere Landkäufe können das Gebiet eines Kloster bis zur Küste und/oder dem Gebirge hin ausdehnen, um dann auch Gebäude errichten zu können, die beispielsweise eine Küstenlage voraussetzen. Die ersten Aktionen zielen also darauf ab, die wenigen Startressourcen aufzustocken und so erhalten die Spieler in Bauernhöfen Getreide oder Schafe, am Lehmhügel Lehm, im Klosterstammhaus Münzen, im Wald Holz und im Moor Torf. Der Abbau von Holz und Torf bedeutet allerdings den Verlust der entsprechenden Karte, d.h. auf jedem dieser Ressourcenfelder kann nur einmal "geerntet" werden. Dafür steht dann aber weiteres Bauland für Gebäude und Siedlungen zur Verfügung.

Gebäude liegen in Form von Karten in einer Auslage und können, die geforderten Ressourcen und einen passenden Bauplatz vorausgesetzt, errichtet werden, um deren Ertragsmöglichkeiten ab dem nächsten Zug nutzen zu können. Befindet sich der Prior während des Gebäudebaus noch nicht in einem Gebäude, kann er sogar sofort in das neue Gebäude eingesetzt werden und dieses nutzen. Einige Gebäude können nur an der Küste oder am Hang errichtet werden, Klostergebäude immer nur an ein bestehendes Klostergebäude angrenzend usw.
Neue Gebäude bringen neue Rohstoffe oder veredeln diese und bringen am Ende natürlich Siegpunkte.

Die Anzahl an Ressourcen, die eine Aktion einbringt, ist abhängig von der Position des entsprechenden Ressourcensteines auf dem Ertragsrad. Diese liegen bei Spielbeginn alle an der Position "0" des Rades, aber der Ertragszeiger wird zu Beginn einer jeden neuen Spielrunde um eine Position weitergedreht, so dass der Ressourcenertrag stetig ansteigt. Sobald dann eine Ressource aber geerntet wird, landet der entsprechende Ressourcenmarker wieder auf der Position "null" des Ertragsrades. Es muss also bei jeder Aktion nicht nur der Bedarf sondern nach Möglichkeit auch der zu erwartende Ertrag berücksichtigt werden. Ein Waldgebiet abzuholzen und nur einen Holzmarker dafür erhalten dürfte auf Dauer der sichere Weg in eine Niederlage bedeuten.
Einer der Ressourcensteine gehört nicht zu einer speziellen Ressourcenart, er ist eine Art Joker und kann an Stelle des eigentlichen Ressourcensteines als Ertragsstein verwendet werden. Macht natürlich Sinn, wenn dadurch ein höherer Ertrag erzielt werden kann oder diese Ressource in dieser Runde bereits von einem Konkurrenten geerntet wurde und auf "0" steht.

Erreicht der Ertragszeiger bestimmte Positionen auf dem Rad wird der reguläre Rundenablauf um eine sog. Siedlungsphase ergänzt. Neue Gebäude kommen ins Spiel, die Spieler haben die Gelegenheit eine ihrer vier (Start-)Siedlungen zu errichten und erhalten dann je eine neue Siedlung für spätere Siedlungsphasen dazu. Diese Siedlungen benötigen einen Bauplatz und bringen am Ende des Spiels unter Umständen den Löwenanteil der Punkte. Ähnlich den Gebäuden haben diese Siedlungen einen Punktwert, der den Siegpunkten bei Spielende entspricht. Dieser Punktwert ist ein einigen Fällen zwar negativ aber im Gegensatz zu den Gebäuden bringen bei Siedlungen auch die sog. Wohnwerte Punkte und bei guter Planung nicht gerade in unerheblichem Umfang. Die Wohnwert-Siegpunkte einer Siedlung errechnen sich aus den Wohnwerten der zu wertenden Siedlung zuzüglich aller Wohnwerte horizontal oder vertikal benachbarter Siedlungen, Gebäude und Landschaften. Es gilt also die Auswahl der Bauplätze von Siedlungen besonders gut zu überdenken, denn je "besser" die Nachbarschaft ist, umso besser der Punkteertrag.

Das Spiel kommt in seine finale Phase, sobald der Ertragszeiger zum zweiten Mal das Feld "E" des Ertragsrades erreicht. Im Drei- bis Vierpersonenspiel erhält jeder Mitspieler seinen Prior für eine letzte Bonusrunde zurück und darf ein letztes Mal entweder den Prior einsetzen oder ein Gebäude errichten. Derjenige, der nach der Abschlusswertung die meisten Siegpunkte erreichen konnte ist der Gewinner.

Ora et labora trägt seinen Namen völlig zu Recht, besonders was das "labora", das Arbeiten angeht. Vom Auspacken und Austanzen über das Regelstudium bis hin zum Spiel selbst ist Arbeiten angesagt. Aber Arbeit kann ja auch Spaß machen und so ist das auch bei diesem Spiel, das in voller Besetzung und mit einigen Neulingen in Extremfällen auch schon mal fast den Umfang eines richtigen Arbeitstages erreichen kann. Ein waschechter Rosenberg eben und so spielt Ora et labora auch in einer Liga mit Agricola und Le Havre.

Während die Pappbögen mit den Landschaften recht dünn und mager daher kommen sind optisch und spielerisch Vielfalt und Überfluss geboten. Gleich zwei Spielvarianten (Irland/Frankreich) mit teilweise unterschiedlichen Ressourcen und anderen Gebäuden sind vorhanden, die sich zwar nicht grundlegend aber im Detail unterscheiden (in Frankreich gibt es Wein, in Irland Whiskey u.ä.). Die Spielregeln sind umfangreich und passen sich an die Spielerzahl und die Bedürfnisse bezüglich Komplexität und Spieldauer an so dass es Regeln für das kurze und das lange Mehr- bzw. Zweipersonenspiel und für ein Solospiel gibt, bei dem der Spieler einen gewissen Punktwert als Vorgabe hat, den es zu erreichen gilt. Etwas störend dabei ist, dass das Ertragsrad je nach Spielerzahl anders zusammengebaut werden muss. Aber was solls, dieser zusätzliche Zeitaufwand fällt nun auch kaum weiter ins Gewicht.

Zugegeben, das Spiel zieht sich. Und zwar meist deutlich länger als auf der Schachtel angegeben und daher ist Ora et labora nicht für jede Spielegruppe geeignet. Aber die Zeit vergeht wie im Fluge da man zu jeder Zeit im Spiel gefordert ist. Auch außerhalb des eigenen Spielzugs plant und tüftelt man bereits für den nächsten Zug und muss dabei ja auch die Entscheidungen der Mitspieler berücksichtigen, die sich auf das Gebäudeangebot, den Ressourcenumfang, die Kosten für neue Ländereien usw. auswirken können.

Ora et labora ist ein typisches "Rosenberg-Schwergewicht" mit all seinen Pros und Contras. Ich finde es klasse und bin auch von der Möglichkeit solo zu spielen sehr angetan, denn das geht natürlich deutlich schneller und ist ebenfalls sehr reizvoll. Vielspieler und diejenigen die es werden wollen sollten unbedingt einen Blick auf dieses Spiel werfen. Man erhält viel Unterhaltung und Spielspaß für sein Geld.

Vielen Dank an Lookout Games für das Rezensionsexemplar!


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