Holgs Spieleteufel       Würfel Teufel



  Startseite
  Editorial / Impressum
  News
  Rezensionen
  Forum (inkl. Ringkriegbereich)
  Meine Top Ten
  Spielecharts
  Spieleevents
  Wunschliste
  Verkaufsliste
  Zitate zum Thema Spiele
  Schweinfurter Spieletage
  Schweinfurter Spieletreff
  Links
  Counterstatistik
  RSS-Feed
  Awards
  holger.kiesel@spieleteufel.de
  Datenschutzerklärung
  Follow me on
  
   


 
   

Die Staufer



Anzahl Spieler

Für 2 bis 5 Spieler
ab 10 Jahre


Spieldauer

Ca. 45 bis 90 Minuten


Bewertung (max. 10)

8 Punkte (HOlg)



Verlag

Hans im Glück
Hans im Glück


Autor

Andreas Steding


Bild



Sonstiges:

Im Spiel Die Staufer von Hans im Glück reisen die Spieler als Fürsten im Gefolge von Heinrich VI. durch das Reich. Bei der Gelegenheit kann man schon auch mal eigene Interessen verfolgen und so versucht jeder durch Beanspruchen verschiedener Amtssitze in den unterschiedlichsten Regionen seinen Einfluss zu mehren. Und das ist keine einfache Sache, denn alle verfolgen das gleiche Ziel und setzen ihre sämtlichen Ressourcen, hauptsächlich in Form von Gesandten und einigen Adeligen ein, um die Konkurrenten dabei zu überflügeln.

So thematisch eingebunden das ganze klingt, die Mechanismen sind doch eher abstrakt, und das wird schon beim Regelstudium recht schnell deutlich. Fünf Runden lang kommen die Spieler jede Runde insgesamt je drei Mal an die Reihe, um sich entweder Nachschub in Form von Gesandten oder Adeligen zu sichern oder diese einzusetzen um sich einen Amtssitze in einer der sechs Regionen zu sichern.

Die Spielerreihenfolge ergibt sich dabei in jeder Runde durch die Reihenfolge, in der die Spieler in der Runde zuvor ihre Aktionen gewählt haben. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass in der Folgerunde die Familienmitglieder, die für Nachschub eingesetzt wurden immer vor denen, die für Amtssitze eingesetzt wurden an die Reihe kommen. Dabei gilt, dass man umso früher an die Reihe kommen wird, je früher man eine Nachschubaktion wählt aber umso später, je früher man sich einen Amtssitz sichert. Klingt verwirrend und kompliziert? Ist es aber nicht, denn für jede Aktionsmöglichkeit gibt es eine eigene Leiste, auf der die dafür eingesetzten Familienmitglieder der Reihe nach angeordnet werden. Auf der Nachschubleiste von oben nach unten, auf der Leiste für die Aktion "Sichern der Amtssitze" von unten nach oben, so dass später einfach diese beiden Leisten beginnend mit der Nachschubleiste auf der Leiste für die Spielerreihenfolge zusammengeführt werden müssen und schon hat man die neue Spielerreihenfolge.

Das Ganze geschieht auf einem Aktionstableau im Zentrum des vor jeder Partie neu zusammengesetzen Spielplans. Um das Aktionstableau herum werden die sechs Regionen angelegt, immer mit der Seite oben, die der Mitspielerzahl entspricht, so dass sich letztlich ein runder Spielplan ergibt, der eine nicht zu unterschätzende Spielfläche benötigt.
Auf den Regionen sind die Amtssitze zu sehen, die man dort besetzen kann, die Belohnungen unterschiedlichster Art, die man für Mehrheiten an Amtssitzen erhält, sowie ein Ablagefeld für ein Siegpunktplättchen, dass jedes Mal neu zugeordnet wird und die Siegpunkte auflistet, die den Spielern im Falle einer Wertung dieser Region winken, sofern sie die meisten, zweitmeisten oder drittmeistenen Amtssitze innehaben. Der obere Bereich einer Region ist der sog. "Bezahlbereich", in den Gesandte abgelegt werden, die für das Besetzen von Amtssitzen eingesetzt oder für Reisen in die Regionen aufgewendet werden müssen.

Um nämlich den Amtssitz einer Region mit einem eigenen Gesandten besetzen zu können, muss sich Heinrich VI. mit seinem Gefolge entweder in der entsprechenden Region aufhalten, oder man muss zunächst in die gewünschte Region reisen. Dazu legt man im Uhrzeigersinn von der Region mit dem König ausgehend je einen seiner Gefolgsleute auf die "Bezahlbereiche" jeder Region, bis die gewünschte Zielregion erreicht ist.
Ist das geschafft, müssen weitere Gefolgsleute abgegeben werden um den gewünschten Amtssitz, der natürlich unbesetzt sein muss, auch tatsächlich besetzen zu dürfen. Wie viele Gefolgsleute benötigt werden gibt eine Zahl bei jedem Amtssitz vor, die in der Regel umso höher ist, je weiter links sich der Sitz befindet. Je weiter links sich ein Amtssitz befindet, desto interessanter ist er in der Regel, da sie bei Gleichständen von Vorteil und damit zu Recht "teurer" sind. Der erste der abzugebenenden Gesandten wird auf den Amtssitz selbst eingesetzt, die übrigen einer nach dem anderen in die "Bezahlbereiche" der im Uhrzeigersinn folgenden Regionen. Ein Amtssitz, der also drei Regionen vom König entfernt ist und fünf Gesandte erfordert, für den müssen insgesamt acht Gesandte "bezahlt" werden, einschließlich des Gesandten, der letztlich den Amtssitz besetzt.

Sowohl die Gesandten und Adeligen auf den Amtssitzen also auch diejenigen in den "Bezahlbereichen" der Regionen stehen den Spielern vorerst nicht mehr zur Verfügung, d.h. es gilt gut zu planen, um nicht im entscheidenden Augenblick handlungsunfähig zu sein. Zurück bekommt nämlich nur die Spielfiguren auf den "Bezahlbereichen" und zwar dann, wenn die Königsfigur, die jede Runde ein bis drei Felder weiterbewegt wird, eine Region durchzieht oder auf ihr stehenbleibt.
Die Spielfiguren auf Amtssitzen verbleiben dort bis zur Wertung einer Region und werden dann in einen allgemeinen Vorrat gelegt, von dem aus die Spieler sie erst wieder durch eine Nachschubaktion "rekrutieren" müssen.

Nutzt man eine Aktion für Nachschub entscheidet man sich für eine von fünf Nachschubaktionen auf einer Nachschubleiste. Dabei gibt es die Möglichkeit einen Gesandten und einen Adeligen, nur einen Adeligen, zwei Gesandte, nur einen Gesandten oder auch gar keine Gefolgsleute zu wählen. Warum auch diese letzte Aktionsmöglichkeit von Interesse sein bzw. werden kann ist die Tatsache, dass derjenige, der in einer Runde als erster eine bestimmte Nachschubaktion wählt auch die dazugehörige Truhe bzw. ggf. auch mehrere Truhen erhält. Wird nämlich eine Nachschubaktion einmal nicht gewählt, kommt jedesmal eine weitere Truhe dazu, bis schließlich auch diese Aktionen irgendwann mehr als nur interessant ist. Truhen bekommt man übrigens auch immer dann, wenn man einen Amtssitz besetzt und sie sind ein nicht zu unterschätzender Faktor, der das Spiel oftmals in entscheidender Weise beeinflusst.

Einige der Truhen bringen ganz simpel Siegpunkte. Einige sofort, andere erst bei Spielende, dafür aber umso mehr, je mehr Truhen dieser Art man hat. Es gibt aber auch Truhen, die keine Punkte bringen dafür aber nicht zu unterschätzende Vorteile bzw. Vergünstigungen während des Spiels bedeuten. Da werden Reisen in die gewünschte Region zum Klacks oder ein Amtssitz kann mit deutlich weniger Gesandten als normalerweise erforderlich besetzt werden. Einige ermöglichen es sogar Amtssitze zu besetzen, die eigentlich bereits besetzt sind. Mit manchen lässt sich die Spielerreihenfolge beeinflussen oder man erhält Gesandte oder Adelige. Und setzt man sie nicht ein, sind sie bei Spielende immerhin noch je einen Siegpunkt wert.

Zu guter Letzt gibt es dann noch die Truhen, mit denen man sich Privilegien sichern kann. Für zwei dieser Truhen darf man sich eine der sechs im Spiel vorhandenen Privilegien aussuchen und ihren Vorteil bis zum Spielende nutzen. Auch hier winken unter Umständen sofort Siegpunkte, oder aber sie erleichtern einem das (Spieler-)leben deutlich. Da kann beispielsweise ein Amtssitz kostenlos sofort mit einem zweiten Gesandten besetzt werden oder es sind immer nur eine bestimmte Zahl an Gesandten für das Besetzen eines Amtssitzes zu bezahlen usw.
Welche Privilegien im Spiel zum Einsatz kommen hängt vom persönlichen Geschmack oder dem Zufall ab. Einige Zusammensetzungen werden in Abhängigkeit der Spielerfahrung aber auch im Beiblatt zur Spielregel vorgeschlagen.

Bereits vor Spielbeginn steht fest, in welcher Runde welche Region gewertet wird, allerdings kann es durchaus sein, dass in manchen Runden auch zwei Regionen gewertet werden. Ob und wenn ja welche Region als zweite gewertet wird hängt davon ab, welche Region das für die laufende Runde vorgegebene Kriterium, beispielsweise die meisten besetzten Amtssitze oder die Region mit dem König usw., erfüllt. Ist dies die Region, die eh schon zur Wertung ansteht, dann wird nur diese eine Region gewertet, in allen anderen Fällen bringen zwei Regionen Punkte.

Die Punkteverteilung gestaltet sich wenig dramatisch. Wer die Meisten, Zweitmeisten oder Drittmeisten Amtssitze in einer zu wertenden Region besetzt hält, der erhält die auf dem Punkteplättchen angegebenen Siegpunkte. Darüber hinaus gewährt jede Region noch einen Bonus, beispielsweise Truhen, Gesandte, Adelige oder zusätzliche Siegpunkte, der an die entsprechenden Spieler verteilt wird.

Nach fünf Runden endet das Spiel und gäbe es nicht die Auftragskarten, könnte man in einigen Partien möglicherweise schon vor der Schlusswertung ganz gut abschätzen, wer vorne liegt. Die Aufträge sind in drei Kategorien unterteilt, und jeder Spieler erhält bei Spielbeginn von jeder Kategorie eine Auftragskarte. Der "Regionenauftrag" legt fest, wie viele Punkte man für eine ganz bestimmte Region erhält, wenn man dort nach Spielende die meisten bzw. zweitmeisten Amtssitze besetzt hält.

Der "Musterauftrag" gibt vor, in welchem Muster zwei, drei oder vier Gesandte auf die Regionen verteilt Amtssitze besetzten müssen um die angegebenen Punkte zu erhalten. Beispielsweise kann es Punkte dafür geben, wenn man zwei Gesandte in zwei Regionen mit einer gemeinsamen Nachbarregion besitzt. Solche Muster können auch durchaus mehrfach erfüllt werden und bringen dann auch entsprechend viele Siegpunkte.

Die letzte Auftragskategorie betrifft Amtssitze, die man bei Spielende kontrolliert. Beispielsweise bringen da 3er-, 4er- oder 5er-Amtssitze Punkte in Abhängigkeit davon, wie viele der entsprechenden Amtssitze man kontrolliert, oder alle Amtssitze bringen so viele Punkte, wie Gesandte für deren Besetzung erforderlich waren usw.
Alles in allem können diese Auftragskarten noch eine satte Anzahl an Siegpunkten bringen und sollten auf keinen Fall unbeachtet bleiben.

Die Staufer ist aus meiner Sicht eines der Highlights der vergangenen Messe in Essen. Trotz relativ einfacher Regel bietet das Spiel reichlich Tiefgang und eröffnet Raum für strategische Überlegungen. Wann nutze ich welche Aktion, damit mir niemand dazwischen funkt. Habe ich immer ausreichend einsatzbereite Gesandte und/oder Adelige um flexible genug auf Spielsituationen reagieren zu können?

Die Mechanismen greifen wunderbar ineinander, insbesondere die Festlegung der Spielerreihenfolge auf Basis der in der Vorrunde gewählten Aktionen und deren Zeitpunkte ist genial. "Wertvolle" Aktionen sehr bald zu nutzen hat zur Folge, in der nächsten Runde erst spät an die Reihe zu kommen und das muss genauso berücksichtigt werden, wie die gewählte Aktion selbst und das verleiht dem Spiel noch mehr Tiefe als das eh schon der Fall ist.

Die Ausstattung ist üppig, von guter Qualität und bis auf zwei Ausnahmen auch sehr funktional. Das Aktionstableau ist für meinen Geschmack etwas zu klein geraten, insbesondere bei größerer Spielerzahl. Berücksichtigt man aber, dass der Platzbedarf auf dem Spieletisch eh schon groß genug ist, kann man darüber auch vortrefflich streiten. Bem Tableau auf dem die Punkte festgehalten werden ist dies allerdings nicht der Fall. Dieses ist definitiv zu klein geraten und macht das Festhalten der Punkte nicht nur zu einer fummeligen Angelegenheit, sondern ist auch alles andere als übersichtlich.

Diese beiden Punkte sind allerdings Meckern auf hohem Niveau, denn abgesehen davon hat man mit Die Staufer ein vorzügliches "Vielspieler-Spiel" auf dem Tisch, das erfolgreich den Beweis antritt, dass anspruchsvolle Spiele nicht unbedingt ein komplexes Regelwerk benötigen. Auch für Langzeitmotivation ist gesorgt, da die immer wieder anderen Auftragskarten und vor allem die vielen verschiedenen Privilegienkarten, die zum Einsatz kommen können, für ausreichen Flexibilität im Spiel sorgen.

Obwohl die abstrakten Mechanismen trotz ansprechender Thematik während des Spiels "durchschimmern" hat mir Die Staufer sehr gut gefallen und wie so oft braucht sich auch diese Neuheit aus dem Hause Hans im Glück nicht hinter den anderen Messeneuheiten zu verstecken sondern gehört vielmehr zu den Highlights des Jahrgangs.

Vielen Dank an Hans im Glück für das Rezensionsexemplar!


Ähnliche Spiele:
(Familienspiel, Mehrheitenspiel, Optimierungsspiel, Strategie, Taktik)

Civilization
Dschunke
Java
La Citta
Löwenherz
Caylus
Mexica

weitere Treffer...


Spiele vom selben Autor:
(Andreas Steding)

Keine Spiele vom selben Autor
in der Datenbank gefunden !


Spiele vom selben Verlag:
(Hans im Glück)

Rasende Roboter
Medina
Dominion
Dominion - Seaside
Dominion - Blütezeit
Carcassonne - Die Stadt
Dominion - Reiche Ernte

weitere Treffer...


Spiele vom selben Jahrgang:
(2014)

Die Schlacht der fünf Heere
Jäger + Späher
Die Legenden von Andor: Die Reise in den Norden
Eldritch Horror
Love Letter
Istanbul
The Manhattan Project

weitere Treffer...