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Great Western Trail



Anzahl Spieler

Für 2 bis 4 Spieler
ab 12 Jahre


Spieldauer

Ca. 75 bis 150 Minuten


Bewertung (max. 10)

8 Punkte (HOlg)



Verlag

eggertspiele
eggertspiele


Autor

Alexander Pfister


Bild



Sonstiges:

Das Leben eines Cowboys im 19. Jahrhundert war kein leichtes. Den ganzen Tag im Sattel, wochenlang unterwegs und dabei fast nie ein Dach über dem Kopf. Wie sagt da einer meiner Bekannten immer: "Des muss ma möch!". Als Viehzüchter und Arbeitgeber solch gestresster Cowboys hat man es zwar etwas komfortabler und körperlich weniger anstrengend aber nicht unbedingt einfacher, wie das Spiel Great Western Trail aus dem Hause eggertspiele seinen Mitspielern ganz gut vermittelt. Vieles muss bedacht und organisiert werden und dann gibt es da ja auch noch immer die Konkurrenten, die man im Auge behalten muss.

Nicht nur der anfangs sehr überschaubare Viehbestand muss in Schuss gehalten und am besten durch edle Tiere vom Rindermarkt ergänzt bzw. erweitert werden, die Tiere müssen auch nach Kansas City getrieben und von dort aus per Bahn weiter transportiert und schließlich möglichst lukrativ verkauft zu werden. Dazu müssen nicht nur ausreichend Cowboys angestellt werden um diese Aufgaben wahr zu nehmen, es braucht auch Handwerker die auf der langen Strecke nach Kansas City Gebäude errichten um den Viehtreibern die Sache zu erleichtern und nebenbei den Konkurrenten auch noch etwas Geld aus der Tasche zu ziehen. Und es braucht Ingenieure, die sich um die Bahnstrecken kümmern und dafür sorgen, dass die Rinder von Kansas City aus möglichst kostengünstig in die wirklich interessanten jedoch weit entfernten Städte transportiert werden können.

Der Spielplan zeigt den langen Weg der Viehherden vom rechten unteren Spielplaneck bis nach Kansas City im linken oberen Eck des Spielplans. Der Weg ist gefahrvoll, führt unter Umständen durch Überschwemmungs-, Dürre- und Steinschlaggebiete oder auch an Indianerdörfern vorbei. Ganz am Anfang gibt es nur einige wenige (neutrale) Gebäude, die einem die notwendigen Aktionen ermöglichen um seine Herde zu optimieren, Mitarbeiter einzustellen, eigene Gebäude zu errichten und seinen Bahntransport von Kansas City ausgehend vorzubereiten und zu verbessern.

Jeder Mitspieler erhält ein Rinderkartendeck bestehend aus 14 (Start-)Rinderkarten, von denen vier als erste Herde die sich auf den Weg nach Kansas macht auf die Hand gezogen werden. Eine Spielerablage zeigt zum einen im oberen Bereich eine Übersicht über die drei Phasen eines Spielzuges und zum anderen eine Ablagefläche für alle angestellten Cowboys, Handwerker und Ingenieure. Je einer dieser Berufsgruppen ist dort fest eingezeichnet und steht immer und von Anfang an zur Verfügung. Im linken Bereich sind Aktionsmöglichkeiten zu sehen, von denen etliche noch durch Scheiben verdeckt sind und die erst im Laufe des Spiels "freigeschaltet" werden müssen um sie nutzen zu können.

Phase 1 eines Spielzuges besteht im Weiterbewegen des eigenen Viehtreibers, der die Position der eigenen Rinderherde auf dem Weg in Richtung Kansas angibt. Dabei ist die Zugweite auf der Spielertafel zu beachten, die zunächst höchstens drei Felder beträgt aber im Laufe des Spiels erhöht werden kann. Leere Felder des Spielplans zählen bei der Bewegung nicht mit, sondern nur Gebäude und Gefahrenplättchen. Gabelt sich der Weg, muss man sich entscheiden welchem Weg man folgt, wobei letztlich alle Wege nach Kansas City führen, einige aber möglicherweise besser Aktionen versprechen und/oder gefahrvoller sind. Es gilt jedes Mal die Vor- und Nachteile abzuwägen.
Erreichte oder übersprungene Plättchen mit einem Handsymbol (grün oder schwarz) verursachen Kosten, die entweder an die Bank oder einen Mitspieler gezahlt werden (an den Mitspieler beispielsweise wenn ein Gebäude des Mitspielers erreicht wird, das ein solches Handsymbol aufweist). Die gute Nachricht ist, hat man nicht genügend Geld bei sich, wird einem das Einschlagen eines Weges nicht verwehrt, wer nicht zahlen kann, der muss auch nicht. Wie hoch die Kosten für so ein Symbol sind kann auf der Spielertafel abgelesen werden und ist abhängig von der Mitspielerzahl.

Am erreichten Ort, also dort wo die Bewegung des Viehtreibers endet, kann man nun in Phase 2 eine oder manchmal auch mehrere Aktionen ausführen. Auf eigenen oder neutralen Gebäuden darf die entsprechende Gebäudeaktion genutzt werden, auf fremden Gebäuden oder Gefahrenplättchen kann nur eine von mehreren sog. "Hilfsaktionen" ausgeführt werden, die auf den Spielertafeln zu sehen sind. Der Ort Kansas City stellt dabei eine ganz besondere Ausnahme dar, auf die ich später noch eingehe.
Die Aktionsmöglichkeiten durch Gebäude sind durch Symbole auf den Gebäudeplättchen dargestellt. Beispielsweise können ein oder mehrere Rinder(/-kombinationen) aus der Herde verkauft oder entsprechend der angestellten Cowboys am Rindermarkt eingekauft werden. Dabei muss man wissen, dass eine Herde am Ende, also wenn sie Kansas City erreicht, aus möglichst vielen verschiedenen Rindersorten bestehen sollte. Es bringt beispielsweise wenig, wenn man zwar relativ wertvolle Rinder aber von ein und derselben Art in Waggons verlädt. Möglichst wertvolle Rinder verschiedener Sorten müssen das Ziel sein, denn von jeder Rindersorte wird nur ein Rind beim ermitteln des Zucht- und damit Verkaufswertes einer Herde berücksichtigt.

Weitere Aktionsmöglichkeiten sind natürlich das Einstellen weiterer Mitarbeiter, sofern diese am Arbeitsmarkt, der sich auf dem Spielplan befindet, zur Verfügung stehen und man sich diese leisten kann. Eigene Gebäude entlang der Wege nach Kansas City zu errichten ist auch immer eine gute Aktionswahl, da man so seine Aktionsmöglichkeiten erhöht, ganz nebenbei mit manchen Gebäuden den Konkurrenten Geld aus der Tasche zieht und viele Gebäude am Ende richtig Siegpunkte bringen können.

Manche Aktionen erlauben es auch die eigene Lok, die zu Beginn noch auf dem ersten Eisenbahnschienenfeld bei Kansas City steht, weiter zu ziehen. Dies ist insofern wichtig, da der Transport von Rindern weniger Geld kostet, je näher sich die eigene Lok am angestrebten Zielbahnhof befindet. Davon abgesehen können auch gezielt Bahnhofe mit der Lok angesteuert werden. Jeder der das tut, baut den Bahnhof dadurch aus und darf eine der Holzscheiben auf seiner Spielertafel, die dort Aktionsmöglichkeiten abdecken oder eine höhere Zugweite verhindern usw., von der Spielertafel auf diesen Bahnhof ablegen. Ab sofort kann diese so "freigeschaltete" Aktion, Zugweite usw. in dem kommenden Spielzügen genutzt werden.
Befindet sich an einem gerade ausgebauten Bahnhof auch noch ein Bahnhofsvorsteher(-Plättchen), so kann dieser Bahnhofsvorsteher gegen einen eigenen Handwerker eingetauscht werden. Jeder Bahnhofsvorsteher bringt dem Spieler, der ihn in seinen Reihen hat, Vorteile verschiedenster Art. Im oberen Bereich ist eine "Sofort-Aktion" zu sehen die sofort ausgeführt wird, im unteren Bereich eine individuelle Möglichkeit zusätzliche Siegpunkte zu bekommen, beispielsweise 1 Siegpunkt pro drei Indianerplättchen die ein Spieler am Ende besitzt und die er für das Handeln mit den Indianerdörfern bekommen hat usw.

Auf diese Weise versuchen die Spieler also Zug für Zug ihre Herde oder die Voraussetzungen für die nächste Herde die sich auf den Weg machen wird zu verbessern und sich Schritt für Schritt der Stadt Kansas City zu nähern. Dort angekommen wird zunächst der Zuchtwert der ankommenden Herde ermittelt. Jede Rindergattung hat einen Zuchtwert und von jeder Gattung trägt genau ein Rind seinen Zuchtwert zum Gesamtzuchtwert der Herde bei. Dieser Wert kann anschießend noch durch sog. Zertifikate, die man im Laufe des Spiels erhalten kann, nach oben korrigiert werden.
Der Zuchtwert der Herde entspricht dann dem Auszahlungsbetrag, den man in Form von Münzen erhält, doch damit ist die Arbeit noch nicht getan! Die Rinder müssen auch noch verladen und zu einem Zielbahnhof gebracht werden. Der Zuchtwert der Herde gibt dabei vor, welche Zielbahnhöfe in Frage kommen. Je weiter entfernt ein Bahnhof ist, desto höher muss der Zuchtwert der Herde sein. Richtig wichtig wird das spätestens dann, wenn man bereits einige Herden nach Kansas City gebracht und verladen hat, denn in jeden Zielbahnhof darf jeder Spieler grundsätzlich nur einmal eine Herde liefern, mal abgesehen vom nächstgelegenen Bahnhof, der beliebig oft beliefert werden darf, bei Spielende aber pro Lieferung Minuspunkte bedeutet. Das möchte man natürlich vermeiden.

Hat die Lok eines Spielers den gewünschten und durch den Zuchtwert der Herde erreichbaren Bahnhof bereits erreicht oder hat ihn passiert, fallen keine Transportkosten an, ansonsten muss für jedes Streckenkreuz, dass noch zwischen der Lok des Spielers und dem Zielbahnhof liegt, ein Dollar für den Transport gezahlt werden. Ein belieferter Bahnhof wird dann mit einer passenden Scheibe (brauner oder weißer Hintergrund des Ablagefeldes) von der Spielertafel markiert, so dass auch auf diese Weise weitere Aktionen oder Möglichkeiten für das weitere Spiel "freigeschaltet" werden können.
Nach jeder Ankunft einer Herde in Kansas City werden auch noch einige "Verwaltungsaufgaben" erledigt, beispielsweise das Auffüllen von Gefahrenplättchen, des Arbeits- und ggf. des Rindermarktes usw., bevor der Viehtreiber wieder auf die Startposition rechts unten auf dem Spielplan gestellt wird, um von dort mit einer neuen Herde aufzubrechen.

Der Abschluss eines Spielerzuges in Phase 3 besteht im Nachziehen von Rinderkarten vom eigenen Nachziehstapel. Ist dieser aufgebraucht wird der Ablagestapel, bestehend aus verkauften, gelieferten und am Rindermarkt eingekauften Rindern, gemischt und als neuer Nachziehstapel bereitgelegt. Great Western Trail beinhaltet also auch einen Deckbuilding-Mechanismus, bei dem Rinder(-karten) eingekauft und auf den Ablagestapel gelegt werden und später dann über den Nachziehstapel ins Spiel kommen. Je wertvoller eingekaufte Rinder sind, desto mehr Siegpunkte bringen sie dann auch bei Spielende.
Das Handkartenlimit besteht zu Beginn aus vier Karten und kann während des Spiels erhöht werden und das ist auch unbedingt zu empfehlen, denn fünf oder sechs verschiedene Rinder nach Kansas City zu bringen, die ihren Zuchtwert zum Gesamtwert der Herde beitragen sind natürlich deutlich besser als nur vier Rinder.

Auf diese Weise bringen die Spieler mehrere Herden nach Kansas City bis durch das Auffüllen des Arbeitsmarktes der Arbeitsmarkt-Anzeiger irgendwann das untere Ende des Arbeitsmarktes, den roten Pfeil, erreicht und damit das Spielende einläutet. Im Rahmen einer Schlusswertung, in der die Siegpunkte (und ggf. auch Minuspunkte) für belieferte Städte, für erworbene Rinder, errichtete Gebäude usw. für jeden Spieler zusammengezählt werden, wird dann schließlich der Sieger des Spiels ermittelt.

Great Western Trail ist ein Spiel dass im Grunde durch relativ einfache Regeln besticht, sobald man die Symbolik verinnerlicht hat, aber trotzdem relativ große Anforderungen an seine Mitspieler stellt. Sehr viele ganz unterschiedliche Vorgehensweisen können nicht nur eingeschlagen werden sondern auch zum Erfolg führen. Das macht das Spiel aber nicht nur anspruchsvoll sondern auch extrem reizvoll. Zwei, drei Partien reichen bei weitem nicht aus alle erfolgversprechenden Möglichkeiten auszuprobieren. Der Wiederspielreiz ist ziemlich hoch, zumal im Grunde fast kein Glücksfaktor im Spiel ist, der einem seine gut durchdachten Pläne zu Nichte macht und dem einen oder anderen dadurch die Laune verdirbt.

Eine gewisse Spannung wird auch dadurch erreicht, dass erst die Schlusswertung den Sieger preisgibt. Während des Spiels kann man zwar durch Beobachtung den führenden Spieler vermuten, Gewissheit hat man erst am Ende, zumal es ja auch noch die bisher nicht erwähnten Auftragskarten gibt, die man während des Spiele erhalten kann und deren Erfüllung am Ende nochmal zusätzliche Siegpunkte einbringen kann, deren Nichterfüllung allerdings unter Umständen auch mit Minuspunkten "bestraft" wird.

Die Spielregel ist vorbildlich aufgebaut und ermöglicht ein schnelles Nachschlagen von Details, was in den ersten Partien in den meisten Fällen auch von Nöten sein wird. Doch der Aufwand lohnt sich, sowohl der Aufwand bezüglich der Spielregel als auch der Aufwand die Spieldauer betreffend, die vor allem in voller Besetzung schon mal deutlich länger als die angegebene maximale Spieldauer ausfallen kann. Die Spielthematik ist aus meiner Sicht sehr stimmig und auch optisch und durch das Spielmaterial stimmungsvoll und sehr gut umgesetzt, so dass auch in dieser Hinsicht der Spielspaß gefördert wird.

Great Western Trail ist definitiv eine Empfehlung, richtet sich aber in erster Linie an erfahrene Spieler und ist wohl weniger geeignet "Neulinge" in die Welt der Brettspiele einzuführen. Für mich insgesamt eines der besten Spiele der letzten Messe in Essen.

Vielen Dank an eggertspiele für das Rezensionsexemplar!


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