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Wettlauf nach El Dorado



Anzahl Spieler

Für 2 bis 4 Spieler
ab 10 Jahre


Spieldauer

Ca. 30 bis 60 Minuten


Bewertung (max. 10)

7 Punkte (HOlg)



Verlag

Ravensburger
Ravensburger


Autor

Reiner Knizia
Reiner Knizia


Bild



Sonstiges:

Der Wettlauf nach El Dorado hört sich nach einem simplen Laufspiel an. Sicher nichts für Vielspieler mag man zunächst denken doch dann lässt einen der Autor des Spiels ein erstes Mal aufhorchen. "Altmeister" Reiner Knizia zeichnet für das Spiel verantwortlich und ein zweites Mal stutzt man sobald man hört, dass es sich um ein Deckbuilding-Spiel handelt. Sowohl Autor als auch Mechanismus und vor allem in dieser Kombination legen dann doch die Vermutung nahe, dass es sich nicht nur um ein banales Laufspiel handelt und dem ist auch so. Zwar ist Der Wettlauf nach El Dorado bei weitem nicht so komplex wie beispielsweise Dominion oder Thunderstone aber eben auch bei weitem nicht banal.

Der Spielplan wird dynamisch aus mehreren Teilen gebildet, die jedes Mal anders zusammengesetzt werden können. Natürlich gibt es auf einem separaten Aufbaublatt verschiede Vorschläge für den Aufbau, die auch verschiedene Schwierigkeitsgrade bedeuten, aber mit zunehmender Erfahrung kann man auch der eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Der für die erste Partie empfohlene Aufbau dient dem Einstieg und ist noch relativ einfach zu bewältigen während andere Aufbau-Vorschläge schon eine gute Kenntnis des Spiels und deutlich mehr Vorausplanung erfordern.

Ist der Spielplan aufgebaut und damit die grobe Reiseroute festgelegt, erhält jeder Mitspieler seine acht Basis- oder Startkarten, die er mischt, auf der linken Seite seines Spielertableaus ablegt und vier davon auf die Hand zieht. Das Spielertableau bietet einen Ablageplatz für den Nachziehkartenstapel auf der linken und einen Platz für einen Ablagestapel auf der rechten Seite. Dazwischen findet man eine Übersicht über die drei Phasen eines Spielzuges, die man nach kürzester Zeit nicht mehr benötigt, aber zumindest unerfahreneren Spielern während der ersten paar Spielzüge eine kleine Hilfestellung bietet.

Das Spielziel ist klar, als Erster vom Startfeld mit Hilfe seines Kartendecks, das während der Reise ausgebaut werden kann und muss, das Ziel El Dorado erreichen. Das Kartendeck stellt dabei die Expedition dar, die sich durch Dschungel, über Flüsse und Berge Schritt für Schritt der sagenumwobenen Stadt El Dorado nähert. Die Expedition ist anfangs noch recht überschaubar und besteht aus einem Matrosen, der einem über Wasser behilflich ist, drei Forschern, die einen im Dschungel voranbringen und vier Reisenden, die auf den beigen Feldern, die wohl Dörfer darstellen, genutzt werden können. Die Karten zeigen neben der Farbe, die den Landschaftstyp vorgibt für den sie verwendet werden können, auch noch eine Anzahl von Symbolen an, beispielsweise eine Machete bei den Forschern. Dieselben Symbole findet man auch auf den Landschaftsfeldern der Spielpläne wieder und will man sich beispielsweise auf ein Dschungelfeld mit zwei Macheten bewegen, benötigt man auch eine Karte, die mindestens zwei Macheten zeigt. Genauso verhält es sich bei den Fluss- und den Dorffeldern.

Spätestens wenn man sich mit seiner Spielfigur unmittelbar vor einem Landschaftsfeld mit mehreren Symbolen darauf befindet wird einem klar, dass man mit seiner Startexpedition das Ziel nur schwerlich erreichen wird, geschweige denn als Erster. Daher kann man seine Expeditonsmitglieder im Rahmen der ersten Phase eines Spielzuges nicht nur für die Fortbewegung einsetzen, sondern auch um neue Karten zu kaufen. Dafür gibt es eine Markttafel, auf der immer sechs verschiedene neue Expeditionsmitglieder angeworben werden können. Es gibt weit mehr als diese sechs Karten am Markt, aber diese stehen erst dann zur Verfügung, wenn ein Stapel, bestehend aus jeweils drei Karten, der derzeit angebotenen Karten aufgebraucht und damit ein Marktfeld freigeworden ist.
Immer wenn ein Spieler ein freies Marktfeld vorfindet, darf er auch aus allen anderen Karten wählen. Fällt seine Wahl dabei auf Karten, die nicht am Markt angeboten werden, dann werden die verbliebenen Karten des gewählten Stapels auf das freie Marktfeld gelegt, womit die Auswahl zunächst wieder auf die sechs derzeit am Markt angebotenen Kartentypen beschränkt ist, bis wieder ein Feld freigeworden ist.

Für das Kaufen von Karten sind in erster Linie die gelben Karten, die auch für die Bewegung auf Dorffelder benötigt werden, interessant, denn diese zeigen ein oder mehrere Münzsymbole und damit ihre Kaufkraft. Karten für Fluss- oder Dschungelfelder sind beim Kauf weniger effektiv, sie zeigen keine Münzen und sind daher alle auch nur eine halbe Münze wert. Alle Karten also, die man in der ersten Spielzugphase nicht für die Bewegung verwendet, kann man für den Kauf einer neuen Karte vom Markt nutzen. Der Preis einer Karte auf dem Markt ist immer am unteren Kartenrand zu sehen und ist, wie überraschend, um so höher, je effektiver eine Karte ist.
Alle ausgespielten Karten werden anschließend in Phase 2 eines Spielzuges zusammen mit der ggf. erworbenen Karte auf den Ablagestapel gelegt. Übrigbehaltene Handkarten können entweder ebenfalls abgelegt oder für die kommende Runde auf der Hand behalten werden, bevor in Phase 3 die Kartenhand vom Nachziehstapel wieder auf vier Karten ergänzt wird. Wie bei Deckbuilding-Spielen üblich wird der Ablagestapel dann gemischt und zum neuen Nachziehstapel, sobald Karten gezogen werden müssten und keine mehr auf dem Nachziehstapel verfügbar sind.

Neben den Fluss-, Dschungel- und Dorffeldern gibt es auch einige spezielle Felder. Auf Geröllfeldern muss zwar auch eine bestimmte Anzahl Karten aufgewendet werden, allerdings ist es dabei egal welche Farbe diese Karten haben. Felder mit einem Basislager sind besonders heftig, da sie eine Anzahl beliebige Karten erfordern, die aber nicht auf den Ablagestapel sondern ganz aus dem Spiel kommen. Was sich zunächst sehr "teuer" anhört, ist in manchen Fällen sehr willkommen, vor allem wenn das Spiel schon etwas vorangekommen und das Kartendeck an Umfang zugelegt hat, denn dann ist es durchaus wünschenswert von den "schwachen" Anfangskarten welche loszubekommen um dadurch schneller an die neuen, stärkeren Karten zu kommen. Dominion-Spieler wissen natürlich sofort was gemeint ist. Ein Kartendeck muss verbessert werden, aber trotzdem "schlank" und damit "schnell" bleiben.

Schwarze Gebirgsfelder oder Felder die bereits von einer anderen Spielfigur besetzt sind, können nicht betreten werden. Das ist insoweit bemerkenswert, da man auf besetzten Feldern nicht nur nicht stehenbleiben darf, sondern sich auch nicht durch sie hindurch bzw. über sie hinweg bewegen darf. Bei der Bewegung werden die Karten nämlich eine nach der anderen ausgespielt und unmittelbar nach jeder Karte die entsprechende Bewegung durchgeführt. Das bedeutet auch, dass man mit drei Forschern mit jeweils einer Machete, zusammen also drei Macheten, kein Dschungelfeld mit drei Macheten betreten kann. Für ein solches Feld ist eine Karte mit mindestens drei Macheten erforderlich.

Einige der später am Markt verfügbaren Karten zeigen das Symbol einer durchgestrichenen Karte, genau wie die Basislagerfelder auf dem Spielplan. Diese Karten können nur einmal im Spiel genutzt werden, sie kommen nicht auf den Ablagestapel und damit irgendwann wieder auf die Hand, sondern sie werden ganz aus dem Spiel entfernt.

So verläuft das Spiel Runde um Runde, bis ein Spieler seine Spielfigur in die goldene Stadt El Dorado bewegt. Die laufende Runde wird dann noch zu Ende gespielt, dann endet das Spiel. Sollten mehrere Spieler El Dorado erreicht haben, dann sind die durch die Spieler auf ihrer Reise eingesammelten Blockaden der Tiebreaker. Diese Blockaden befinden sich zwischen den einzelnen Spielplanteilen und sind ein eleganter Mechanismus einen führenden Spieler etwas einzubremsen. Diese Blockaden zeigen Bedingungen, die ein Spieler erfüllen muss um seine Spielfigur auf den nächsten Spielplanteil zu bewegen. Meist müssen zusätzliche Karten abgegeben werden. Diese "Zusatzkosten" treffen jedoch nur den ersten Spieler der auf das nächste Spielplanteil zieht, denn die Blockade wird anschließend entfernt und vor dem Spieler abgelegt, der sie beseitigt hat. Bei Spielende können diese Blockaden dann aber nochmal wichtig werden, denn von allen Spielern, die El Dorado erreichen, gewinnt derjenige, der mehr Blockaden eingesammelt hat.

Der Wettlauf nach El Dorado erfindet kein Rad neu. Der Hauptspielmechanismus des Spiels ist bestens bekannt und die zur Verfügung stehenden Karten sind absolut überschaubar und trotzdem schafft es auch dieses Deckbuilding-Spiel in seinen Bann zu ziehen. Aufgrund seiner einfachen Spielregeln bietet das Spiel einen leichten Spieleinstieg, die noch schneller verinnerlicht sind, wenn man bereits mit Deckbuilding-Spiele vertraut ist. Auch die überschaubare Kartenzahl, die in der Regel nicht wie beispielsweise bei Dominion mit textlastigen Aktionsmöglichkeiten aufwarten und eigentlich nicht wirklich kombiniert werden können/müssen um ihren vollen Effekt zu entfalten, erleichtern den Spieleinstieg deutlich. Dieser Umstand ist auf der anderen Seite natürlich dahingehend ein Nachteil, dass Der Wettlauf nach El Dorado deutlich weniger Spieltiefe bietet als beispielsweise Dominion oder auch andere Deckbuilding-Spiele.

Die Blockaden, die nur den führenden Spieler behindern, sind ein eleganter Mechanismus die Spannung aufrecht zu erhalten, auch wenn einem Spieler das unbestreitbar vorhandene Kartenglück einmal extrem gewogen ist und er sich schon zu Beginn einen kleinen Vorsprung erarbeiten konnte. Diese Hürden für den Führenden sorgen oftmals dafür, dass ein Vorsprung nicht uneinholbar ist, denn die Mehrkosten um jede Hürde als erster zu nehmen sind nicht zu unterschätzen. Und trotzdem sind diese Hürden nicht immer nur lästig, denn bei einem Gleichstand können sie einem zum Sieg verhelfen.

Der Wiederspielreiz ist trotz der überschaubaren Kartenvielfalt nicht gering, vor allem durch den variablen Spielplanaufbau, der nicht zwingend nach den mitgelieferten Empfehlungen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden erfolgen muss, sondern auch ganz dem Zufall bzw. der eigenen Kreativität überlassen bleiben kann. Zwar sind nicht wie beispielsweise bei Dominion interessante und effektive Kartenkombinationen zu entdecken und auszuprobieren, aber trotzdem ist Voraussicht und Taktik gefordert. Das eigene Kartendeck mit den "richtigen" Karten auszustatten und auch das Abstoßen von (Anfangs-)Karten nicht zu vernachlässigen ist immer wieder motivierend. Anfangskarten müssen im richtigen Moment "entsorgt" werden, denn oftmals kommt der Punkt im Spiel, an dem mit ihnen unter Umständen gar nichts mehr angefangen werden kann. Für Bewegungen sind sie dann oft zu "schwach" und für Einkäufe bieten sie zu wenig Kaufkraft, zumindest wenn die günstigen Karten erst mal alle an den Mann gebracht worden sind. Vier solcher Karten auf einmal auf der Hand bedeuten dann einen frustrierenden Spielzug ohne die Möglichkeit etwas zu tun. Unterm Strich ist eigentlich keine Partie langweilig.

Mir hat Der Wettlauf nach El Dorado gut gefallen, aber ich mag Deckbuilding-Spiele grundsätzlich recht gern, so dass ich jedem zumindest eine Testpartie ans Herz legen möchte, auch wenn man Dominion besitzt und für das bessere Spiel hält. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass die ersten Erweiterungen, vor allem in Form von Karten, gar nicht lange auf sich warten lassen werden und über kurz oder lang auf dieses Dschungelrennen nach El Dorado weiter an Spieltiefe gewinnt.

Vielen Dank an Ravensburger für das Rezensionsexemplar!


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